

In unserem Blog findest du Artikel zum Thema Medizinalcannabis bei verschiedenen Krankheitsbildern. Suche einfach einen Artikel unten – oder kontaktiere uns, wenn du noch weitere Artikel zu einem bestimmten Thema bekommen möchtest - oder schreibe dich in unserem Newsletter ein, um benachrichtigt zu werden, wenn es neue Artikel gibt.
Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die weit über gewöhnliche Kopfschmerzen hinausgeht. Typisch sind einseitige, pulsierende Schmerzen, die häufig von Übelkeit, Erbrechen sowie einer gesteigerten Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen begleitet werden. Ein Teil der Betroffenen entwickelt vor der Schmerzphase kurzfristige neurologische Symptome (Aura) wie visuelle Störungen oder Kribbeln, die meist bis zu einer Stunde andauern. Eine Migräneattacke verläuft in mehreren Phasen und dauert unbehandelt zwischen vier und 72 Stunden. Neben der Schmerzphase gibt es oft eine Vorbotenphase und einen Erholungsabschnitt, in dem Müdigkeit und Erschöpfung dominieren. Faktoren wie Stress, hormonelle Schwankungen, Schlafmangel, bestimmte Nahrungsmittel, Wetterumschwünge oder grelles Licht können eine Attacke auslösen; diese Auslöser sind jedoch individuell unterschiedlich. Ein Kopfschmerztagebuch hilft dabei, persönliche Trigger zu identifizieren.

Migräne zählt zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Nach Angaben des Robert‑Koch‑Instituts sind etwa 15 % der Frauen und 6 % der Männer in Deutschland betroffen. Bis zu 20 % der Patientinnen und Patienten erleben Aurasymptome. Migräne unterscheidet sich von anderen Kopfschmerzarten durch die Intensität und Begleitsymptome; so verstärken sich die Beschwerden bei körperlicher Aktivität und gehen häufig mit vegetativen Symptomen wie Übelkeit und Erbrechen einher. Spannungskopfschmerzen sind dagegen meist beidseitig, drückend und weniger stark, während Clusterkopfschmerzen durch bohrende Schmerzen im Augenbereich gekennzeichnet sind und deutlich kürzer dauern. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (ICHD‑3) definiert eine chronische Migräne als Kopfschmerzen an ≥15 Tagen pro Monat mit ≥8 Migränetagen über mindestens drei Monate. Alle anderen Formen werden als episodische Migräne bezeichnet.
Die Entstehung der Migräne ist nicht vollständig geklärt. Genetische Faktoren, ein Ungleichgewicht von Botenstoffen wie Serotonin und CGRP sowie neurovaskuläre Entzündungsprozesse spielen eine Rolle. Eine sogenannte „kortikale Spreitungsdepression“, also eine sich ausbreitende Depolarisationswelle über die Hirnrinde, wird als möglicher Auslöser der Aura diskutiert. Migräneattacken werden jedoch in der Regel nicht durch einen einzelnen Faktor ausgelöst, sondern durch das Zusammenwirken mehrerer individueller Trigger. Dazu gehören physischer oder psychischer Stress, hormonelle Schwankungen (z. B. während der Menstruation), Änderungen im Schlafmuster, bestimmte Nahrungsmittel (z. B. alkoholische Getränke wie Rotwein, gereifter Käse), flackerndes Licht, laute Geräusche oder Wetterumschwünge. Ein strukturiertes Kopfschmerztagebuch hilft, diese Faktoren zu identifizieren und zu vermeiden.
Die Diagnose einer Migräne wird durch eine Ärztin oder einen Arzt anhand der in der ICHD‑3 festgelegten Kriterien gestellt. Wichtig sind eine ausführliche Anamnese (Art, Dauer und Häufigkeit der Kopfschmerzen, Begleitsymptome, familiäre Belastung), das Führen eines Kopfschmerzkalenders sowie eine körperlich‑neurologische Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen. Bei atypischen Symptomen oder dem Verdacht auf andere Erkrankungen können bildgebende Verfahren (MRT, CT) notwendig sein.
Ziel der Akutbehandlung ist es, Schmerzen und Begleitbeschwerden möglichst rasch zu reduzieren. Bewährte Mittel sind:
Nichtmedikamentöse Maßnahmen wie Ruhe in einem abgedunkelten Raum, kühle Kompressen sowie ausreichende Flüssigkeitszufuhr können begleitend eingesetzt werden und werden von vielen Betroffenen als entlastend empfunden.
Bei mehr als drei Migräneattacken pro Monat oder stark beeinträchtigenden Verläufen empfiehlt sich eine prophylaktische Therapie, mit dem Ziel, die Anfallshäufigkeit und -belastung zu reduzieren. Mögliche Wirkstoffe sind Betablocker (z. B. Propranolol), Kalziumantagonisten (Flunarizin), Antiepileptika (Topiramat, Valproinsäure), bestimmte Antidepressiva (Amitriptylin) sowie neuere CGRP‑Antikörper und Gepants. Ergänzend kommen Botulinumtoxin-A-Injektionen als zugelassene Behandlungsoption in Betracht. Die Auswahl des Medikaments hängt von Begleiterkrankungen, Nebenwirkungen und individuellen Faktoren ab; eine ärztliche Beratung ist unerlässlich.
Nichtmedikamentöse Prophylaxen umfassen regelmäßige Ausdauerbewegung (z. B. Schwimmen, Radfahren), Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation oder Yoga, eine geregelte Schlafhygiene und eine ausgewogene Ernährung mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr. Verhaltenstherapeutische Verfahren (Biofeedback, kognitive Verhaltenstherapie) können helfen, Stress zu bewältigen und Trigger zu erkennen.
In Deutschland darf medizinisches Cannabis unter bestimmten Voraussetzungen verordnet werden. Das Interesse an Cannabinoiden in der Schmerztherapie ist gestiegen, allerdings gibt es für Migräne bislang nur begrenzte Daten aus kontrollierten Studien. Das körpereigene Endocannabinoid‑System besteht aus CB₁‑ und CB₂‑Rezeptoren sowie endogenen Liganden; diese Rezeptoren sind an der Modulation von Neurotransmittern beteiligt und beeinflussen sind an neurobiologischen Signalprozessen beteiligt, die in der Forschung unter anderem im Zusammenhang mit Schmerz- und Entzündungsmechanismen untersucht werden. Zwei wichtige Phytocannabinoide sind Δ9‑Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC ist ein partieller Agonist am CB₁‑ und CB₂‑Rezeptor und verursacht die berauschende Wirkung; CBD hat keine berauschende Wirkung und moduliert verschiedene Rezeptoren.
Bislang ist keine Cannabinoid‑Arznei für die Behandlung der Migräne zugelassen. Fachgesellschaften wie die American Headache Society weisen darauf hin, dass Triptane, CGRP‑Antikörper und andere etablierte Therapien den Behandlungsstandard bilden und Cannabinoide – sofern überhaupt – nur im Rahmen kontrollierter Studien oder bei therapieresistenten Fällen nach ärztlicher Abwägung eingesetzt werden sollten. Auch Expert*innen betonen, dass die Datenlage zu Cannabis bei Migräne gering ist und weitere Forschung notwendig bleibt. Daher sollte eine mögliche Cannabistherapie immer durch eine qualifizierte Ärztin oder einen qualifizierten Arzt begleitet und nicht eigenmächtig begonnen werden. Illegal erworbenes Cannabis ist wegen unkalkulierbarer Wirkstoffgehalte und möglicher Verunreinigungen mit Pestiziden, Mikroben oder Schwermetallen problematisch. Zudem kann THC psychoseähnliche Symptome hervorrufen und das Herz‑Kreislauf‑System belasten. Medizinische Cannabisblüten und -extrakte unterliegen strengen Qualitätskontrollen; eine ärztliche Verordnung stellt sicher, dass Dosierung und Wirkstoffverhältnis individuell angepasst werden.

Viele Frauen berichten über eine Besserung der Migräne während der Schwangerschaft; andere leiden weiterhin. In dieser Phase ist der Einsatz von Medikamenten streng abzuwägen. THC‑haltige Präparate sind während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert; CBD sollte ebenfalls nur nach sorgfältiger ärztlicher Prüfung eingesetzt werden. Nichtmedikamentöse Methoden wie Entspannungsübungen, Akupressur oder eine magnesiumreiche Ernährung stehen im Vordergrund. Wenden Sie sich bei Beschwerden frühzeitig an Fachpersonal.
Migräne tritt auch im Kindes‑ und Jugendalter auf und äußert sich oft atypisch, beispielsweise durch Bauchschmerzen, Schwindel oder wiederkehrendes Erbrechen ohne Kopfschmerz. Die Diagnose erfordert besondere Sorgfalt, und die Therapie orientiert sich am Alter und Gewicht. Nichtmedikamentöse Verfahren wie Biofeedback und Entspannungstechniken sind wichtig; viele Migränemittel (z. B. Triptane) sind erst ab bestimmten Alters‑ oder Gewichtsklassen zugelassen. Der Einsatz von Cannabinoiden bei Minderjährigen sollte nur in Ausnahmefällen und im Rahmen von Spezialzentren erwogen werden.
Hormonelle Veränderungen, insbesondere im Menstruationszyklus, können Migräneattacken auslösen. Bei menstruationsassoziierter Migräne kann eine prophylaktische Gabe von NSAR oder Triptanen an den Zyklustagen hilfreich sein. Hormonelle Verhütungsmittel mit hohem Östrogenanteil können das Schlaganfallrisiko leicht erhöhen; daher werden bei Migräne mit Aura eher östrogenfreie Präparate empfohlen. Wechselwirkungen zwischen Cannabinoiden und oralen Kontrazeptiva sind bislang kaum erforscht und bedürfen ärztlicher Beratung.
Migräne kann gemeinsam mit anderen chronischen Erkrankungen wie Fibromyalgie, Reizdarmsyndrom oder Depressionen auftreten. In solchen Fällen ist ein multimodales Konzept sinnvoll, das medikamentöse Therapie, Psychotherapie, Bewegung und gegebenenfalls Cannabinoide (im Rahmen von Studien) kombiniert. Eine enge Abstimmung der beteiligten Fachrichtungen ist notwendig, um Wechselwirkungen zu vermeiden.
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die individuell sehr unterschiedlich verläuft. Eine fundierte Diagnose und eine auf die jeweiligen Bedürfnisse abgestimmte Behandlung sind entscheidend. Bewährte Akut- und Prophylaxemedikamente bilden weiterhin die Basis der Therapie. Lebensstiländerungen, Stressmanagement und nichtmedikamentöse Verfahren können wesentlich zur Verbesserung der Lebensqualität beitragen. Medizinisches Cannabis wird zunehmend diskutiert; bislang liegen jedoch nur wenige kontrollierte Studien vor. Es gibt derzeit keine Zulassung für eine Cannabinoidtherapie bei Migräne, und Fachgesellschaften empfehlen deren Einsatz nicht als Standardtherapie. Wer eine Therapie mit medizinischem Cannabis in Erwägung zieht, sollte dies stets in enger Abstimmung mit einer Fachärztin oder einem Facharzt tun. Eigenmedikation mit illegalen Cannabisprodukten birgt Risiken durch unkontrollierbare Wirkstoffgehalte und mögliche Verunreinigungen.
Im Folgenden sind die wichtigsten Quellen aufgeführt, die im Text zitiert werden:
Rechtlicher Hinweis: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der sachlichen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen weder eine ärztliche Diagnose noch eine individuelle medizinische Beratung oder Behandlung. Entscheidungen zu Diagnostik und Therapie sollten stets gemeinsam mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt getroffen werden.
Du hast Fragen oder suchst Rat zu Medizinalcannabis? Wir bringen Licht ins Dunkle und begleiten dich auf dem Weg zu mehr Gesundheit. Kontaktiere uns – wir sind für dich da.
Unsicherheiten bei einer neuen Therapie sind völlig normal. Wir nehmen uns Zeit für deine Bedenken und unterstützen dich dabei, die richtige Entscheidung für deine Gesundheit zu treffen.
Jede Entscheidung für eine neue Therapie braucht Vertrauen. Deshalb beantworten wir gerne alle deine Fragen rund um Medizinalcannabis - persönlich und ohne Zeitdruck.
Du fragst dich, ob Cannabis auch bei deinen Beschwerden helfen kann? Wir klären gemeinsam, welche Möglichkeiten sich für dich eröffnen und wie der Weg zu deiner optimalen Behandlung aussieht.


