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Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der es zu wiederkehrenden Anfällen kommt. Diese Anfälle entstehen durch vorübergehende elektrische Entladungen im Gehirn, die das Verhalten, die Bewegungen oder das Bewusstsein einer betroffenen Person verändern. Obwohl Epilepsie seit Jahrhunderten bekannt ist, gibt es immer noch viele Missverständnisse über die Erkrankung, über die verschiedenen Formen der Anfälle und über die Zeit nach dem Anfall. Dieses ausführliche Informationsdokument richtet sich an interessierte Laien in Deutschland und vermittelt Grundlagenwissen zu epileptischen Anfällen, zur sogenannten postiktalen Phase sowie zu aktuellen Forschungsansätzen wie dem Endocannabinoid‑System. Es werden weder Therapien empfohlen noch Heilsversprechen gemacht; vielmehr sollen Betroffene und Angehörige in die Lage versetzt werden, die wichtigsten Begriffe zu verstehen, Symptome einzuordnen und im Notfall angemessen zu reagieren.
Dieser Text erklärt Grundlagen zu epileptischen Anfällen, der postiktalen Phase, Unterstützungsmaßnahmen sowie zum Endocannabinoid‑System und rechtlichen Rahmenbedingungen. Die Informationen dienen als allgemeine Orientierungshilfe.
Ein epileptischer Anfall ist eine vorübergehende Veränderung der Gehirnaktivität. Nervenzellen, die normalerweise in geordneten Bahnen kommunizieren, senden in diesem Moment unkoordinierte elektrische Signale aus. Dadurch können verschiedene Funktionen des Gehirns beeinträchtigt werden, darunter Motorik, Bewusstsein, Wahrnehmung und Emotionen. Ein Anfall dauert in der Regel wenige Sekunden bis Minuten. Ein einmaliger Anfall bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine chronische Epilepsie vorliegt; manchmal werden Anfälle durch Fieber, Stoffwechselstörungen oder andere akute Belastungen ausgelöst. Von Epilepsie spricht man erst, wenn mehrere Anfälle ohne erkennbare akute Ursache auftreten.
Epileptische Anfälle werden häufig nach ihrer Ursprungsregion im Gehirn eingeteilt. Fokale Anfälle (auch partiell genannt) beginnen in einem bestimmten Hirnareal. Bei einigen Menschen bleibt das Bewusstsein erhalten, und sie erleben ungewöhnliche Sinneseindrücke wie Kribbeln, plötzliche Geruchs‑ oder Geschmacksempfindungen oder kurzzeitige Bewegungen einzelner Gliedmaßen. In anderen Fällen ist das Bewusstsein beeinträchtigt; die Betroffenen wirken abwesend, nesteln an der Kleidung oder wiederholen einfache Gesten. Dieser Zustand wird manchmal als komplex fokaler Anfall bezeichnet. Da sich ein Fokus an unterschiedlichen Stellen befinden kann, variieren die Symptome erheblich.
Generalisierte Anfälle betreffen dagegen weite Teile des Gehirns von Anfang an. Der bekannteste Typ ist der tonisch‑klonische Anfall, früher als „Grand Mal“ bezeichnet. Zunächst versteift sich der Körper, die Muskulatur spannt sich an (tonische Phase), häufig gefolgt von rhythmischen Zuckungen (klonische Phase). Die betroffene Person verliert das Bewusstsein, und es kann zu veränderter Atmung oder blauer Verfärbung der Lippen kommen. Ein solcher Anfall dauert meist ein bis zwei Minuten. Es gibt jedoch auch mildere generalisierte Formen wie Absencen: kurze „Aussetzer“, bei denen der Blick starr wird und die Person nicht ansprechbar ist. Diese Anfälle werden oft übersehen, weil sie nur wenige Sekunden dauern und keine dramatischen motorischen Symptome zeigen.

Das Erleben eines Anfalls ist sehr individuell. Manche Betroffene berichten von einem Vorgefühl (Aura), bevor der Anfall einsetzt. Dieses Vorgefühl kann ein plötzliches Kribbeln im Bauch, eine aufsteigende Unruhe, visuelle Veränderungen oder ungewöhnliche Geruchs‑ und Geschmacksempfindungen umfassen. Bei fokalen Anfällen mit Bewusstseinsklarheit können leichte Zuckungen, Wärme‑ oder Kältesensationen oder flackernde Lichter wahrgenommen werden. Viele Menschen mit komplexen fokalen Anfällen verlieren das Zeitgefühl; später können sie sich oft nur noch bruchstückhaft erinnern. Bei tonisch‑klonischen Anfällen fällt das Bewusstsein in der Regel ganz aus. Menschen, die wieder zu sich kommen, sind häufig desorientiert, erschöpft oder verspüren Muskelkater. Es ist wichtig zu betonen, dass die subjektive Erfahrung stark variiert und davon abhängt, welcher Teil des Gehirns betroffen ist und wie lange der Anfall dauert.
Epileptische Anfälle lassen sich in mehrere Phasen unterteilen, auch wenn nicht jeder Anfall alle Phasen durchläuft. Im Vorfeld können unspezifische Veränderungen auftreten, beispielsweise Stimmungsschwankungen, Kopfschmerzen oder Reizbarkeit. Diese sogenannte Prodromalphase kann Stunden oder sogar Tage vor dem Anfall liegen. Die Aura wird manchmal als eine Art Mini‑Anfall betrachtet; sie kann wenige Sekunden bis Minuten vor dem eigentlichen Anfall auftreten und durch plötzliche Sinneseindrücke oder vegetative Symptome gekennzeichnet sein. Die iktale Phase ist der eigentliche Anfall, bei dem die unkoordinierten elektrischen Entladungen stattfinden und sichtbare Symptome auftreten. Die postiktale Phase, das Hauptthema dieses Textes, beschreibt die Zeit direkt nach dem Anfall bis zur vollständigen Erholung.
Die postiktale Phase beginnt unmittelbar nach dem Ende der epileptischen Entladungen im Gehirn. In dieser Erholungszeit versucht der Organismus, zu seinem Normalzustand zurückzukehren. Das Erleben der postiktalen Phase ist von Person zu Person unterschiedlich. Studien und Erfahrungsberichte zeigen, dass die Dauer im Durchschnitt zwischen fünf und 30 Minuten liegt, bei einigen Menschen jedoch deutlich länger sein kann. In einer Auswertung wurde berichtet, dass bei etwa der Hälfte der Betroffenen die postiktale Phase länger als 45 Minuten dauert, während bei etwa zehn Prozent die Symptome innerhalb von zehn Stunden abklingen. Diese Angaben variieren, weil sie von der Anfallsart, dem allgemeinen Gesundheitszustand, dem Alter und weiteren Faktoren abhängen. Bei manchen Formen von Absencen oder kurzen fokalen Anfällen ist eine postiktale Phase kaum wahrnehmbar, wohingegen bei tonisch‑klonischen Anfällen oft eine deutliche Erschöpfungs‑ und Erholungszeit eintritt.
Viele Menschen berichten nach einem Anfall über vorübergehende Verwirrtheit und Orientierungsprobleme. Es kann schwerfallen, zu wissen, wo man sich befindet, welche Uhrzeit es ist oder wer anwesend ist. Reaktionszeiten sind verlangsamt, und das Denken kann wie „in Watte“ wirken. Das Kurzzeitgedächtnis arbeitet oft nur eingeschränkt; manche können sich nicht an den Anfall selbst erinnern oder wissen nicht, was unmittelbar davor passiert ist. Gelegentlich treten kurzzeitig Sprachprobleme auf, wie das fehlende Finden von Wörtern. Die Stimmungslage kann variieren: Manche Betroffene empfinden Traurigkeit oder Angst, andere fühlen sich gereizt oder unerklärlich euphorisch. In seltenen Fällen kommt es zu vorübergehendem Delirium oder psychotischen Symptomen wie Halluzinationen oder Verfolgungsideen. Diese schweren Verläufe sollten immer ärztlich abgeklärt werden.
Der Körper erholt sich während der postiktalen Phase von großer Anstrengung. Häufig werden Kopfschmerzen oder ein dumpfes Druckgefühl im Kopf beschrieben, die teilweise mit Muskelkater oder Verspannungen einhergehen. Manche Personen fühlen sich extrem erschöpft, als hätten sie intensive sportliche Betätigung hinter sich. Muskelschmerzen entstehen durch die unwillkürlichen Krämpfe während der ictalen Phase; auch Schluckbeschwerden oder Halsschmerzen können auftreten, vor allem wenn vermehrt Speichel oder Mageninhalt den Hals gereizt hat. Ein weiteres Symptom, das nach tonisch‑klonischen Anfällen vorkommt, ist vorübergehende Schwäche oder Lähmungserscheinung eines Körperteils, die sogenannte Todd‑Parese. Diese Lähmung ist keine bleibende Schädigung, sondern eine vorübergehende Störung, die einige Minuten bis Stunden anhalten kann. Zusätzlich können Übelkeit, Durst sowie Blasen‑ oder Darmentleerung auftreten.
Neben den physischen und kognitiven Symptomen spielen die emotionale Verarbeitung und das soziale Umfeld eine wichtige Rolle. Nach einem Anfall fühlen sich viele Menschen verletzlich oder schämen sich, insbesondere wenn der Anfall im öffentlichen Raum stattfand. Die Sorge vor Stigmatisierung und die Angst vor zukünftigen Anfällen können belastend sein. Es ist nicht ungewöhnlich, nach einem Anfall eine depressive Stimmung oder Ängste zu erleben. In seltenen Fällen entwickelt sich eine postiktale Psychose, die Stunden bis Tage nach einem Anfall auftreten kann und durch Halluzinationen, Wahnsinnsideen oder starke Verwirrung gekennzeichnet ist. Solche Fälle benötigen eine medizinische Betreuung.
Wenn man Zeuge eines epileptischen Anfalls wird, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und einige Grundregeln zu beachten, um die Sicherheit der betroffenen Person zu gewährleisten. In Deutschland ist es nicht strafbar, Erste Hilfe zu leisten, solange man nach bestem Wissen und Gewissen handelt.
In den letzten Jahren hat die Forschung zunehmend das sogenannte Endocannabinoid‑System (ECS) in den Blick genommen. Dieses körpereigene Netzwerk besteht aus Botenstoffen (endogene Cannabinoide), Rezeptoren und Enzymen. Die zwei am besten untersuchten Rezeptoren heißen CB1 und CB2. CB1‑Rezeptoren befinden sich überwiegend im zentralen Nervensystem, während CB2‑Rezeptoren vor allem in Zellen des Immunsystems vorkommen. Endocannabinoide wie Anandamid und 2‑Arachidonyl‑glycerol (2‑AG) werden vom Körper nach Bedarf produziert und binden an diese Rezeptoren. Studien zeigen, dass das ECS an der Modulation von Prozessen wie Schmerz, Stimmung, Appetit und Gedächtnis beteiligt ist. Das System hat somit eine regulierende Funktion, ohne dass dies automatisch eine therapeutische Aussage bedeutet.
Im Zusammenhang mit Epilepsie wird das ECS erforscht, weil es Einfluss auf die neuronale Erregbarkeit hat. Tierstudien deuten darauf hin, dass ein Ungleichgewicht der Endocannabinoid‑Signalübertragung die Schwelle für Krampfanfälle verändern kann. Zum Beispiel wird diskutiert, dass die Aktivierung von CB1‑Rezeptoren in bestimmten Hirnregionen die Freisetzung von Neurotransmittern hemmen kann. Ob diese Mechanismen beim Menschen eine therapeutische Bedeutung haben, ist jedoch nicht abschließend geklärt. Die derzeit verfügbaren präklinischen Daten liefern Hinweise auf komplexe Zusammenhänge, aber sie erlauben keine allgemeingültigen Aussagen über die Behandlung von Epilepsie beim Menschen.
Die Standardbehandlung von Epilepsie besteht in der Regel aus der Einnahme antiepileptischer Medikamente (Antikonvulsiva). Diese Arzneimittel zielen darauf ab, das Auftreten von Anfällen zu reduzieren oder ganz zu verhindern, indem sie die elektrische Aktivität im Gehirn stabilisieren. Es gibt verschiedene Wirkstoffklassen, etwa Natriumkanalblocker, Calciumkanalblocker, GABAerg wirkende Substanzen oder Kombinationspräparate. Die Auswahl des Medikaments hängt von der Anfallsart, dem Alter, möglichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneien und individuellen Faktoren ab. Manche Menschen werden nach einem ersten Anfall nicht sofort medikamentös behandelt, sondern erst, wenn sich Anfälle wiederholen. In speziellen Fällen, in denen Medikamente allein nicht ausreichen, können operative Eingriffe oder neurostimulatorische Verfahren erwogen werden.
In den vergangenen Jahren wurden einige pharmakologische Präparate entwickelt, die Cannabidiol (CBD), einen nicht psychoaktiven Bestandteil der Cannabispflanze, enthalten. In Deutschland wurde 2019 das erste CBD‑haltige Arzneimittel mit dem Markennamen „Epidiolex“ zur Ergänzungstherapie bei bestimmten schweren Epilepsieformen wie dem Dravet‑Syndrom, dem Lennox‑Gastaut‑Syndrom und der tuberösen Sklerose zugelassen. In randomisierten, placebo‑kontrollierten klinischen Studien wurde gezeigt, dass CBD in Kombination mit anderen Medikamenten die Häufigkeit von konvulsiven Anfällen bei diesen seltenen Syndromen reduziert. Die Studienteilnehmer erhielten standardisierte CBD‑Lösungen, und die Dosierungen wurden ärztlich überwacht. Nebenwirkungen wie Durchfall, Müdigkeit und erhöhte Leberwerte traten häufiger als unter Placebo auf. Die Ergebnisse können nicht ohne weiteres auf andere Anfallsarten oder auf nicht standardisierte Cannabisprodukte übertragen werden.
Eine multizentrische Beobachtungsstudie aus Deutschland berichtete, dass etwa 36,9 Prozent der Patienten mit therapieresistenter Epilepsie nach drei Monaten mit einem pharmakologischen Cannabidiol‑Präparat eine Verringerung der Anfallshäufigkeit um mehr als die Hälfte erreichten und etwa 46,9 Prozent Nebenwirkungen angaben. Diese Daten stammen aus der klinischen Praxis und zeigen sowohl mögliche Vorteile als auch Risiken bei der Anwendung. Sie ersetzen jedoch keine randomisierten Studien und liefern lediglich Hinweise auf den realen Einsatz. Wichtig ist, dass diese Ergebnisse nicht auf Cannabisblüten oder freiverkäufliche CBD‑Produkte übertragbar sind. Zudem betonen Fachgesellschaften, dass Cannabidiol bei den genannten Indikationen nur ergänzend und unter ärztlicher Kontrolle eingesetzt wird.

In Diskussionen über die therapeutische Anwendung von Cannabis wird häufig der sogenannte Entourage‑Effekt erwähnt. Damit ist die Annahme gemeint, dass die Kombination verschiedener Cannabinoide und aromatischer Terpene zu einem synergistischen Nutzen führt. Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2023 kommt jedoch zu dem Schluss, dass es bislang keine überzeugenden wissenschaftlichen Belege für einen solchen synergistischen Effekt gibt. Die Autoren betonen, dass viele Studien methodische Schwächen aufweisen oder Ergebnisse aus Tiermodellen und Zellkulturen nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragbar sind. Daher wird die Entourage‑Hypothese in der Wissenschaft weiter untersucht, hat aber zum jetzigen Zeitpunkt keine gesicherte evidenzbasierte Grundlage.
In Deutschland unterliegen Arzneimittel auf Cannabisbasis strengen gesetzlichen Regelungen. Die Verschreibung von Medizinalcannabis (Blüten oder Extrakte) ist seit 2017 möglich, wenn keine anerkannte Therapie zur Verfügung steht oder diese nicht ausreichend wirkt. Die entsprechende Verordnung setzt voraus, dass der behandelnde Arzt den medizinischen Nutzen im konkreten Einzelfall einschätzt und dokumentiert. Gleichzeitig besteht in Deutschland ein allgemeines Werbeverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel nach dem Heilmittelwerbegesetz (HWG). Das bedeutet, dass Hersteller und Anbieter gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern keine Heilsversprechen abgeben dürfen. Werbeaussagen müssen sich an den zugelassenen Indikationen orientieren und dürfen keine unbewiesenen Vorteile suggerieren. Auch die Nennung von Prozentzahlen, Erfahrungsberichten oder Aussagen wie „Wirkt gegen Schmerzen“ fällt unter das Verbot des HWG. Diese rechtlichen Vorgaben sollen gewährleisten, dass Gesundheitsinformationen sachlich bleiben und keine unzulässigen Erwartungen wecken.
Menschen, die sich für eine Behandlung mit Cannabinoid‑haltigen Medikamenten interessieren, sollten sich daher immer an ihre behandelnden Ärzte wenden. Es ist nicht ratsam, rezeptfreie Produkte ohne Rücksprache mit medizinischem Fachpersonal einzunehmen, besonders bei schweren Erkrankungen wie Epilepsie. Einzelne Erfahrungsberichte, die im Internet verbreitet werden, sind nicht repräsentativ; sie können individuelle Erfolge, aber auch Risiken nicht verallgemeinern. Seriöse Informationen erhalten Sie bei neurologischen Fachärzten, in Epilepsiezentren sowie bei Patientenorganisationen. In Deutschland beraten Apotheken auch zu zugelassenen Arzneimitteln und informieren über mögliche Wechselwirkungen.
Der vorliegende Text liefert allgemeine Informationen über Epilepsie, die postiktale Phase und das Endocannabinoid‑System. Er ersetzt keine ärztliche Diagnostik oder Therapie. Wenn Sie oder ein Angehöriger epileptische Anfälle erleben, wenden Sie sich an einen Facharzt für Neurologie. Nur eine medizinische Untersuchung kann die Ursache klären und eine geeignete Behandlung festlegen. Selbstmedikation, besonders mit Cannabisprodukten, kann Risiken bergen, da Dosierungen, Reinheit und Wechselwirkungen unklar sein können. Die Forschungen zu Cannabidiol und anderen Cannabisbestandteilen befinden sich in Entwicklung. Bestimmte pharmakologische Produkte zeigen in Studien Verbesserungen, jedoch immer unter strenger Kontrolle in ausgewählten Patientengruppen. Für die breite Anwendung bei allen Epilepsieformen gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Grundlage.
Epilepsie ist eine Erkrankung des Gehirns, die durch wiederkehrende Anfälle gekennzeichnet ist. Anfälle lassen sich in fokale und generalisierte Formen einteilen. Während fokale Anfälle nur bestimmte Hirnareale betreffen und manchmal ohne Bewusstseinsverlust ablaufen, erfassen generalisierte Anfälle größere Teile des Gehirns und führen häufig zu einem vollständigen Bewusstseinsverlust. Unmittelbar nach dem Anfall beginnt die postiktale Phase. In dieser Zeit sind Betroffene oft verwirrt, erschöpft und emotional. Die Dauer dieser Phase variiert; durchschnittlich liegt sie zwischen fünf und 30 Minuten, doch manche Menschen benötigen länger. Typische Symptome umfassen Gedächtnisprobleme, Sprachfindungsstörungen, Muskelkater, Kopfschmerzen sowie Stimmungsschwankungen. In seltenen Fällen kann eine postiktale Psychose auftreten, die ärztliche Hilfe erfordert. Wichtig für Angehörige und Ersthelfer ist, während des Anfalls Sicherheit zu schaffen, die Zeit zu beobachten und nach dem Anfall Ruhe und Unterstützung zu bieten.
Die Rolle des Endocannabinoid‑Systems wird in der Wissenschaft erforscht. Es handelt sich um ein körpereigenes System aus Rezeptoren, Botenstoffen und Enzymen, das an vielen Funktionen beteiligt ist. Präklinische Studien deuten darauf hin, dass das ECS Einfluss auf die Anfallsbereitschaft haben könnte, doch diese Erkenntnisse sind nicht gleichbedeutend mit einer Therapieempfehlung. Cannabidiol, ein Bestandteil der Cannabispflanze, wurde in pharmakologischen Präparaten wie Epidiolex für bestimmte schwere Epilepsiesyndrome zugelassen. Randomisierte klinische Studien zeigen, dass CBD bei diesen seltenen Erkrankungen Anfälle reduzieren kann. Eine deutsche Beobachtungsstudie berichtet ähnliche Befunde in der Praxis. Diese Daten beziehen sich jedoch auf standardisierte Produkte unter ärztlicher Aufsicht und sind nicht auf Cannabisblüten oder frei verkäufliche CBD‑Produkte übertragbar. Darüber hinaus betonen systematische Übersichten, dass der vielzitierte Entourage‑Effekt bislang wissenschaftlich nicht nachgewiesen ist.
Rechtlich dürfen verschreibungspflichtige Cannabinoid‑Medikamente in Deutschland nur unter bestimmten Bedingungen verordnet werden, und Werbung mit Heilsversprechen ist untersagt. Der vorliegende Text soll informieren, nicht behandeln. Bei konkreten Fragen zur Therapie sollten Sie medizinischen Rat einholen. Durch Wissen über die postiktale Phase, das richtige Verhalten während eines Anfalls und ein realistisches Bild aktueller Forschungsstände können Betroffene und Angehörige besser mit Epilepsie umgehen.
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