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Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neuroentwicklungsbezogene Störung, die sich in Symptomen wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität äußert. Einst galt sie als reine Kinderkrankheit, doch inzwischen ist wissenschaftlich anerkannt, dass ein erheblicher Teil der Betroffenen die Symptomatik auch im Erwachsenenalter weiter erlebt. Die gesellschaftliche Debatte über alternative Möglichkeiten im Umgang mit ADHS hat in den vergangenen Jahren an Fahrt gewonnen. Parallel dazu ist in Deutschland zum 1. April 2024 mit dem Cannabisgesetz (CanG) ein neuer rechtlicher Rahmen für den Umgang mit der Cannabispflanze in Kraft getreten. Diese Entwicklungen werfen Fragen auf: Wie gestaltet sich die ADHS‑Diagnostik bei Erwachsenen, welche Unterschiede bestehen zwischen ADHS bei Frauen und ADHS bei Männern und welche Rolle spielt ADHS und Cannabis vor dem Hintergrund der aktuellen Evidenz und Gesetzgebung? Der folgende Beitrag gibt einen umfassenden Überblick und ordnet die Themen sachlich ein, ohne medizinische Behandlungserfolge zu versprechen.
ADHS beginnt in der Regel im Kindes- oder Jugendalter und kann sich auch im Erwachsenenalter fortsetzen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit liegt die Prävalenz bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland bei zwei bis sechs Prozent. Die Kernsymptome sind Hyperaktivität, Unaufmerksamkeit und Impulsivität. Während Hyperaktivität im Kindesalter oft durch motorische Unruhe auffällt, wandelt sich dieses Merkmal bei Erwachsenen häufig zu einer inneren Ruhelosigkeit. Erwachsene berichten, dass ihnen das planvolle Arbeiten schwerfällt, sie vergesslich sind oder Absprachen nicht einhalten. Impulsivität äußert sich im Erwachsenenalter unter anderem in schnellem Reden, riskanten Entscheidungen oder dem Überschreiten von Regeln.
ADHS tritt selten isoliert auf. Komorbide psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen oder Suchterkrankungen sind häufig. Diese Zusatzstörungen können die Erkennung der Kernsymptomatik erschweren. Ein unbehandeltes ADHS kann den beruflichen Erfolg beeinträchtigen, die Gefahr von Unfällen erhöhen und zu Beziehungsproblemen führen. Die wissenschaftliche Literatur betont daher, dass eine frühzeitige und umfassende Diagnostik notwendig ist, um Fehlinterpretationen der Symptome zu vermeiden und Betroffenen adäquate Unterstützung zu ermöglichen.
ADHS Diagnostik Erwachsene ist ein vielschichtiger Prozess, der eine detaillierte Anamnese, standardisierte Fragebögen und körperliche Untersuchungen umfasst. Das zentrale ADHS‑Infoportal beschreibt, dass im Zentrum der Untersuchung ein ausführliches Gespräch steht. Die Fachkraft erfragt aktuelle Symptome, die Entwicklung der Probleme seit der Kindheit und die Auswirkungen im Alltag. In die Anamnese werden, sofern der Betroffene zustimmt, auch Partner, Eltern oder Kollegen einbezogen. Dieses Vorgehen ermöglicht, Verhaltensmuster aus verschiedenen Lebensbereichen zu erfassen und eine einseitige Sicht zu vermeiden.
Neben dem Gespräch können standardisierte Fragebögen eingesetzt werden, die vom Betroffenen selbst oder von Bezugspersonen ausgefüllt werden. Die Diagnostik berücksichtigt, ob die Symptome bereits in der Kindheit vorlagen, und schließt andere Ursachen aus. So können Schilddrüsenerkrankungen, Schlaferkrankungen oder der Einfluss von Medikamenten ähnliche Beschwerden auslösen. Auch psychische Störungen wie Angst oder Depression werden abgegrenzt, da sie die Symptomatik überlagern können.
Zu den eingesetzten Instrumenten im Erwachsenenbereich zählen die ADHS Diagnostische Checkliste (HASE), das ADHS‑Interview (IDA), Conners-Skalen für Aufmerksamkeit und Verhalten sowie der Wender-Reimherr Interviewleitfaden. Diese Instrumente helfen, die Intensität der Symptome zu erfassen und eine differenzierte Einschätzung zu ermöglichen. Eine körperliche Untersuchung und gegebenenfalls eine Laboranalyse sind ebenfalls Bestandteil der Abklärung, um internistische und neurologische Ursachen zu überprüfen. Fachleute empfehlen außerdem Zusatzuntersuchungen wie Schilddrüsenuntersuchungen oder EEG, wenn neurologische Erkrankungen ausgeschlossen werden sollen.
Wichtig ist, dass die Diagnose nur von qualifizierten Ärztinnen und Ärzten oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten gestellt werden sollte. Psychiaterinnen, psychologische Psychotherapeutinnen oder ärztliche Psychotherapeutinnen besitzen besondere Kenntnisse über psychische Störungen und können sowohl psychotherapeutische als auch medikamentöse Behandlungsstrategien koordinieren. Hausärzte oder andere Fachärzte können nach entsprechender Fortbildung ebenfalls die Diagnostik unterstützen. Bei Verdacht auf ADHS im Erwachsenenalter sollte man sich daher an eine Fachperson wenden, die mit der Störung vertraut ist.

Die Symptomatik von ADHS kann sich bei Frauen und Männern unterschiedlich zeigen. Statistiken weisen darauf hin, dass die Diagnose bei Frauen seltener gestellt wird als bei Männern, obwohl die Prävalenz im Erwachsenenalter vergleichbar ist. Als möglicher Grund wird genannt, dass ADHS bei Frauen häufiger von sogenannten internalisierenden Störungen, wie Angst oder Depression, überlagert wird, wodurch das dahinterliegende ADHS unentdeckt bleibt.
ADHS bei Männern wird oft durch ausgeprägte Hyperaktivität und Impulsivität erkannt. Männer zeigen häufiger motorische Unruhe, Rededrang und Risikobereitschaft. Sie werden schneller als ungeduldig wahrgenommen und neigen zu impulsivem Handeln. In vielen Studien war der hyperaktive Typ die Grundlage der Diagnostik, weshalb männliche Symptome leichter ins Bild passen. Dieses Phänomen trägt dazu bei, dass männliche Betroffene früher diagnostiziert werden und eher Zugang zu Unterstützung erhalten.
Bei ADHS bei Frauen ist das Bild komplexer. Frauen tendieren häufiger zum unaufmerksamen Typ, der sich durch Langsamkeit, Erschöpfung und Überforderung zeigt. Die motorische Unruhe tritt bei ihnen häufig als innere Unruhe auf, die von außen nicht immer sichtbar ist. Studien deuten darauf hin, dass Hypoaktivität – also eine verringerte Aktivität – häufiger bei betroffenen Frauen beobachtet wird. Zudem sind bei Frauen komorbide Störungen wie Essstörungen oder affektive Störungen häufiger, was die Diagnose erschwert.
Geschlechterrollen und gesellschaftliche Erwartungen spielen ebenfalls eine Rolle. Frauen werden eher dazu ermutigt, sich anzupassen und ihre Schwierigkeiten zu verbergen. Sie kompensieren ihre Probleme durch höheren Aufwand oder Perfektionismus. Dadurch fällt das ADHS weniger auf und die Diagnose verzögert sich oft bis ins Erwachsenenalter. Männer hingegen werden für auffälliges Verhalten schneller kritisiert, was zur früheren Abklärung beiträgt. Fachleute empfehlen deshalb geschlechtssensible Ansätze in Diagnostik und Therapie und betonen, dass sowohl ADHS bei Frauen als auch ADHS bei Männern ernst genommen und individualisiert behandelt werden sollte.
Unabhängig vom Geschlecht erleben Erwachsene mit ADHS vielfältige Belastungen. Im Arbeitsleben leiden sie unter Desorganisation, Konzentrationsproblemen und Schwierigkeiten, Projekte abzuschließen. Viele beschreiben einen „inneren Motor“, der sie ständig antreibt, aber auch schnell zu Überforderung führt. Der Termindruck kann dazu führen, dass Aufgaben lange aufgeschoben und dann in letzter Minute erledigt werden. Während manche Betroffene dadurch kreative Lösungen finden, erleben andere Versagensängste und Selbstzweifel.
Im sozialen Bereich können Impulsivität und Unaufmerksamkeit zu Konflikten führen. Gespräche werden unterbrochen, Termine vergessen und Versprechen unbewusst gebrochen. Partnerinnen, Freunde und Kolleginnen fühlen sich dadurch oft verletzt oder missverstanden. Daher ist es für Betroffene wichtig, Strategien zur Selbstorganisation zu entwickeln und offen mit ihrem Umfeld zu kommunizieren. Regelmäßige Pausen, klare Strukturen und das Setzen von Prioritäten können helfen, den Alltag zu bewältigen. Professionelle Unterstützung kann in Form von Verhaltenstherapie, Coaching oder Austauschgruppen erfolgen. Diese unterstützen Betroffene dabei, den eigenen Arbeits- und Lebensstil anzupassen, ohne unrealistische Erwartungen aufzubauen.
Zum 1. April 2024 ist in Deutschland das Cannabisgesetz (CanG) in Kraft getreten. Dieses Gesetz gliedert sich in zwei zentrale Teile: das Konsumcannabisgesetz (KCanG), das den Umgang mit Cannabis zu Genusszwecken regelt, und das Medizinal‑Cannabisgesetz (MedCanG) für medizinische und wissenschaftliche Zwecke. Mit dem neuen Rahmen wird Cannabis aus dem Anwendungsbereich des Betäubungsmittelgesetzes herausgenommen. Cannabis zu medizinischen Zwecken wird im MedCanG geregelt, und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) ist für dessen Anwendung zuständig. Der Verkehr mit medizinischem Cannabis in Praxen und Apotheken bleibt unter der Aufsicht der Landesbehörden.
Die rechtliche Neuregelung bedeutet nicht, dass jeder frei über Cannabis verfügen kann. Für den nicht-medizinischen Bereich gelten Besitzobergrenzen und Anbauvorschriften. Medizinisches Cannabis bleibt verschreibungspflichtig. Die BfArM‑Hinweise für Ärztinnen und Ärzte betonen, dass nur Personen, die zur Ausübung des ärztlichen Berufs befugt sind, Cannabisarzneimittel verschreiben dürfen. Zahnärzte und Tierärzte sind ausgeschlossen. Die Verschreibung erfolgt auf einem normalen Rezept; synthetische Cannabinoide wie Nabilon müssen weiterhin auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben werden. Es existieren unterschiedliche Sorten von Cannabisblüten und ‑extrakten, die sich durch ihren THC- und CBD‑Gehalt unterscheiden.
Das BfArM weist darauf hin, dass wissenschaftliche Informationen zur Behandlung bestimmter Erkrankungen mit nicht zugelassenen Cannabisarzneimitteln, insbesondere Blüten, nur sehr begrenzt vorliegen. Ärztinnen und Ärzte sollen sich daher eigenverantwortlich über den wissenschaftlichen Stand informieren; das BfArM selbst gibt keine Therapieempfehlungen ab. Informationen zu Dosierung, Darreichungsformen und Nebenwirkungen sind vor allem für zugelassene Fertigarzneimittel verfügbar. Bei der Verschreibung übernehmen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte die Verantwortung und müssen arzneimittelrechtliche Regelungen beachten. Zudem liegen zu vielen Fragen, etwa zur Teilnahme am Straßenverkehr während der Anwendung, keine verlässlichen wissenschaftlichen Informationen vor.

Die Diskussion um ADHS und Cannabis wird durch persönliche Berichte befeuert, doch wissenschaftlich fundierte Erkenntnisse sind rar. Eine aktuelle Scoping Review aus dem Jahr 2022 untersuchte Studien zur Verwendung von Cannabis bei ADHS und stellte fest, dass die meisten Arbeiten entweder keine Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung der Symptome zeigen. Einige Studien berichteten zwar über kurzfristige Verbesserungen von Aufmerksamkeit oder Unruhe, doch methodische Schwächen wie kleine Stichproben, heterogene Definitionen und unpräzise Messungen der THC- und CBD‑Mengen schränken die Aussagekraft stark ein. Die Autorinnen und Autoren kommen zu dem Schluss, dass Cannabis angesichts der vorhandenen Beweislage nicht als Behandlung für Menschen mit ADHS empfohlen werden kann.
Eine Stellungnahme des zentralen adhs‑Netzes aus dem Jahr 2017 betont ebenfalls, dass die gesundheitlichen Risiken des Cannabiskonsums die potenziellen Nutzen für die Reduktion der ADHS‑Symptome deutlich überwiegen. Die Stellungnahme weist darauf hin, dass nur wenig empirische Evidenz für positive Effekte vorhanden ist und dass negative Auswirkungen wie erhöhtes Risiko für Substanzmissbrauch, psychotische Symptome, depressive Störungen und kognitive Beeinträchtigungen wissenschaftlich gut belegt sind. Die Leitungsgruppe des zentralen adhs‑Netzes spricht sich daher gegen den Einsatz von Cannabis als Therapeutikum bei diagnostizierter ADHS aus und verweist auf die gut belegte Wirksamkeit vorhandener medikamentöser Therapieoptionen.
Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass ein Zusammenhang zwischen ADHS und erhöhter Wahrscheinlichkeit für Cannabisgebrauch besteht. Studien weisen darauf hin, dass junge Menschen mit ADHS häufiger Cannabiskonsum oder Substanzgebrauchsstörungen entwickeln. Als möglicher Faktor wird eine „Selbstmedikation“ genannt, bei der Betroffene versuchen, ihre Symptome eigenständig mit Cannabis zu lindern. Fachleute warnen jedoch, dass diese Eigenbehandlung die zugrunde liegende Problematik nicht löst und stattdessen das Risiko für weitere Gesundheitsprobleme erhöht. Negative Effekte des Cannabiskonsums umfassen neben den oben genannten psychischen Auswirkungen auch eine beeinträchtigte exekutive Funktion, was sich insbesondere bei ADHS‑Betroffenen gravierend auswirken kann.
Angesichts dieser Faktenlage ist es wichtig, zwischen der subjektiven Wahrnehmung einzelner Betroffener und der wissenschaftlichen Evidenz zu unterscheiden. Einzelberichte können wertvolle Hinweise liefern, ersetzen jedoch keine randomisierten kontrollierten Studien. Die vorhandene Evidenz spricht zum jetzigen Zeitpunkt gegen Cannabis als therapeutische Option für ADHS und zeigt vielmehr, dass bei Betroffenen ein erhöhtes Risiko für problematischen Konsum besteht. Gleichzeitig betonen Fachgesellschaften die Bedeutung bewährter Behandlungsansätze wie Verhaltenstherapie, medikamentöse Therapie mit zugelassenen Stimulanzien und psychoedukative Programme. Diese sollten in Abhängigkeit von den individuellen Bedürfnissen und in Absprache mit Fachpersonen genutzt werden.
Cannabis ist eine psychoaktive Substanz mit vielfältigen Wirkungen auf das Nervensystem. Während THC (Tetrahydrocannabinol) vor allem für psychoaktive Effekte verantwortlich ist, wird CBD (Cannabidiol) oft als weniger psychoaktiv beschrieben. Allerdings variiert der Wirkstoffgehalt stark je nach Sorte und Zubereitung, und die individuelle Reaktion kann sich deutlich unterscheiden. Bei nicht medizinischem Konsum besteht das Risiko von akuten Nebenwirkungen wie Schwindel, Müdigkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten sowie langfristigen Auswirkungen auf Gedächtnis und Lernfähigkeit. Bei Personen mit ADHS können diese Effekte vorhandene Probleme verstärken.
Regelmäßiger Cannabiskonsum ist bei jungen Menschen mit einem erhöhten Risiko für Substanzmissbrauch, psychotische Episoden und depressive Symptome verbunden. Studien deuten darauf hin, dass Personen mit ADHS anfälliger für diese negativen Folgen sind. Ein weiterer Aspekt betrifft die Verkehrssicherheit: Das BfArM weist darauf hin, dass derzeit keine verlässlichen wissenschaftlichen Informationen zur Teilnahme am Straßenverkehr unter der Anwendung von Cannabisarzneimitteln vorliegen und dass insbesondere in der Findungsphase der Dosierung vom Führen eines Fahrzeugs abgeraten wird. Für den Freizeitkonsum gelten strenge Grenzwerte, und ein Verstoß kann Führerscheinentzug zur Folge haben. Betroffene sollten sich daher der rechtlichen Konsequenzen bewusst sein.
Trotz der Unsicherheit bezüglich Cannabis existieren für die Behandlung von ADHS im Erwachsenenalter leitlinienorientierte Ansätze, die in der Versorgung häufig eingesetzt werden. Leitlinien empfehlen in der Regel eine Kombination aus Verhaltenstherapie, medikamentöser Behandlung und psychoedukativen Maßnahmen. Verhaltenstherapie hilft, den Alltag zu strukturieren, Prioritäten zu setzen und mit Ablenkungen umzugehen. Fertigkeiten wie Zeitmanagement, Planung und Problemlösung werden trainiert, um impulsives Handeln zu reduzieren. Gruppentherapien oder Coaching-Programme können Betroffenen helfen, Strategien zu erlernen und in den Alltag zu integrieren.
Medikamentöse Therapien basieren hauptsächlich auf Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetamin-Derivaten. Diese Wirkstoffe erhöhen den Spiegel bestimmter Neurotransmitter im Gehirn und können bei manchen Patientinnen und Patienten zu einer Reduktion bestimmter ADHS-Symptome beitragen; ob und in welchem Ausmaß das der Fall ist, wird ärztlich geprüft und individuell eingestellt. Die Wirksamkeit dieser Medikamente ist in zahlreichen Studien belegt; sie werden unter ärztlicher Aufsicht verordnet, und die Dosierung wird individuell angepasst. Alternativen wie Atomoxetin (ein selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) kommen zum Einsatz, wenn Stimulanzien nicht vertragen werden oder nicht ausreichend wirken. In jedem Fall sollten die Vor- und Nachteile einer medikamentösen Therapie im Rahmen eines individuellen Beratungsgesprächs mit einer Fachperson abgewogen werden.
Psychoedukation bietet sowohl Betroffenen als auch Angehörigen Wissen über das Störungsbild und vermittelt Strategien für den Umgang mit den Herausforderungen. Ein besseres Verständnis der Symptome und ihrer Ursachen kann das Selbstbewusstsein stärken und das soziale Umfeld einbinden. Ergänzend können Selbsthilfegruppen und digitale Angebote wie Apps zur Strukturierung des Alltags oder Online‑Programme eine wichtige Unterstützung sein. Arbeitgeberinnen und Partnerinnen sollten über ADHS informiert werden, um gemeinsam Anpassungen am Arbeitsplatz oder im Zusammenleben vorzunehmen.
Die unterschiedlichen Aspekte der Behandlung verdeutlichen, dass es keine einfache Lösung gibt. Jede Person ist einzigartig, und daher sollten Behandlungspläne stets individuell erstellt werden. Eine rein pharmakologische Therapie ohne begleitende Psychotherapie oder Coaching wird von Fachleuten selten empfohlen. Ebenso wird von der Selbstmedikation mit Cannabis abgeraten. Seriöse Informationsportale und Beratungsstellen, wie das zentrale adhs‑Netz oder das ADHS‑Infoportal, bieten umfassende Informationen und können helfen, passende Angebote zu finden.
Das Zusammenspiel von ADHS und Cannabis ist wissenschaftlich noch nicht abschließend verstanden. Die aktuelle Datenlage ist heterogen und weist methodische Lücken auf. Studien zeigen, dass der Konsum von Cannabis bei Menschen mit ADHS häufiger vorkommt, aber es gibt keine ausreichend belastbaren Beweise für eine therapeutische Wirksamkeit. Die meisten verfügbaren Untersuchungen sind Beobachtungsstudien mit kleinen Stichproben und können nicht zwischen ursächlichen Zusammenhängen und Zufallskorrelationen unterscheiden. Darüber hinaus ist die Bestimmung des Cannabisgehalts (THC, CBD und andere Cannabinoide) oft ungenau.
Zukünftige Forschung sollte deshalb in mehreren Punkten ansetzen:
Bis solche Daten vorliegen, ist Vorsicht geboten. Die derzeitigen Empfehlungen der Fachgesellschaften raten von Cannabis als Therapeutikum ab. Forschende und Gesundheitspolitikerinnen betonen die Bedeutung evidenzbasierter Entscheidungen, insbesondere bei sensiblen Themen wie ADHS und Cannabis, bei denen hoher gesellschaftlicher Druck und wirtschaftliche Interessen bestehen.

ADHS ist eine komplexe neuroentwicklungsbezogene Störung, die weit über die Kindheit hinausreicht. Die ADHS‑Diagnostik bei Erwachsenen erfordert eine sorgfältige Anamnese, den Einsatz standardisierter Instrumente und die Berücksichtigung weiterer körperlicher und psychischer Ursachen. Geschlechterunterschiede verdeutlichen, dass ADHS bei Frauen häufig übersehen wird, während ADHS bei Männern durch auffällige Hyperaktivität früher erkannt wird. Dieses Wissen ist wichtig, um Fehldiagnosen zu vermeiden und betroffenen Frauen den Zugang zu Unterstützungsangeboten zu erleichtern.
Die Legalisierung von Cannabis zu Genusszwecken und die Neugestaltung der medizinischen Versorgung haben in Deutschland neue Rahmenbedingungen geschaffen. Medizinisches Cannabis bleibt verschreibungspflichtig; Ärztinnen und Ärzte tragen die Verantwortung für die Therapie und müssen sich über den begrenzten wissenschaftlichen Erkenntnisstand informieren. Die wissenschaftliche Evidenz zeigt derzeit keine eindeutigen Vorteile von Cannabis bei ADHS, während Risiken wie Substanzmissbrauch, psychotische Symptome und kognitive Beeinträchtigungen gut dokumentiert sind. Fachgesellschaften raten daher davon ab, Cannabis eigenständig zur Symptomreduktion einzusetzen.
Betroffene sollten sich an bewährte Behandlungsansätze halten und gemeinsam mit qualifizierten Fachpersonen einen individuellen Therapieplan erarbeiten. Verhaltenstherapie, medikamentöse Behandlung und psychoedukative Programme bieten fundierte Möglichkeiten, den Alltag zu strukturieren und die Lebensqualität zu verbessern. Forschung ist weiterhin notwendig, um das Zusammenspiel von ADHS und Cannabis besser zu verstehen und eventuell wirksame sowie sichere Ansätze zu identifizieren. Bis dahin bleibt die Maxime: Wissenschaftliche Evidenz und rechtliche Vorschriften sollten die Grundlage für Entscheidungen bilden.
Rechtlicher Hinweis: Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der sachlichen Aufklärung und allgemeinen Information. Sie ersetzen weder eine ärztliche Diagnose noch eine individuelle medizinische Beratung oder Behandlung. Entscheidungen zu Diagnostik und Therapie sollten stets gemeinsam mit einer qualifizierten Ärztin oder einem qualifizierten Arzt getroffen werden.
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